Die Kunst nichts zu tun

Mach doch einfach mal nichts! Ja, richtig. Ist gar nicht so einfach, nicht wahr? Dabei ist es ein unglaublich befreiendes Gefühl, sich mal nicht verpflichtet zu fühlen oder den Druck zu haben, dieses oder jenes tun zu müssen. Stattdessen arbeiten wir immer nur auf den langersehnten Urlaub hin.

Das Leben in der westlichen Gesellschaft ist mittlerweile von Hektik und blinden Aktionismus geprägt. Dabei sehnen sich viele nach Entschleunigung. Wir wollen immer so viel erledigen und schaffen, dass wir am Ende des Tages selbst geschafft sind. Wir sind eine sehr leistungs- und erfolgsorientierte Gesellschaft. Das Ganze beginnt schon in der Schulzeit, geht in der Uni und im Berufsleben weiter. Lehrer, Eltern, Umfeld, Chefs, Politiker und Co. wollen uns einreden, dass Wertigkeit und Erfolg mit stetigen Fleiß und Geld scheffeln gleichgestellt sind.

Funktionierst Du noch oder lebst Du schon?

Reines Nichtstun wird als faul und phlegmatisch abgestempelt. Bei vielen kommt direkt das schlechte Gewissen, wenn nicht jedes Zeitfenster sinnvoll genutzt und ausgefüllt wird. Bloß keine Zeit verschwenden! Irgendwann sind wir unsere eigenen Sklaven. Das Leben ist nur noch ein Abhaken von To-do-Listen. Dabei sollte unsere freie Zeit nicht noch durch einen vollen Terminkalender bestimmt sein. Durch den digitalen Wandel kommt noch die ständige Erreichbarkeit dazu. E-Mails werden heutzutage selbst am Strand, vom Berggipfel oder aus der Sauna beantwortet. Der Wunsch nach Ruhe ist daher nicht verwunderlich. Unser Gehirn braucht Auszeiten. Dauerhaftes Funktionieren geht oftmals nicht gut und macht krank.

Die Kunst nichts zu tun

Tod durch Überarbeitung

In Japan kommt die Arbeit bekanntlich vor dem Vergnügen. Karoshi, Tod durch Überarbeitung, ist rechtlich eine haftungspflichtige, berufsbezogene Todesursache in Japan. Die Ursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. Mittlerweile haben sich etwa 40 japanische Kliniken auf diese Todesursache spezialisiert. Die Anzahl der Betroffenen wird auf 10.000 geschätzt.

Zwar haben wir im Gegensatz zu Japan hier eine Fünftagewoche und den Mindesturlaub von 24 Tagen, doch die meisten gönnen sich keine wirkliche Auszeit. Burn-Out und Erschöpfung mutieren daher auch bei uns zur Volkskrankheit. Viele Psychologen und Managementtrainer raten somit zum Nichtstun. Das hat gute Gründe, denn Nichtstun

  • verlangsamt die Aktivität der Gehirnwellen
  • senkt den Blutdruck
  • fördert die Durchblutung
  • verbessert den Energiehaushalt des Körpers
  • reduziert Stress
  • stärkt das Immunsystem

Strukturierte Auszeiten

Also, warum nicht einfach mal die Seele baumeln lassen? Wenn es spontan nicht geht, plane Deine Auszeiten. Richte Dir Zeitfenster, einen Tag oder ein ganzes Wochenende ein, indem Du Dir vornimmst, nichts zu machen. Lerne, Deine Prioritäten zu verschieben, Nein zu sagen, Deine Lebensstrukturen zu verändern und vor allem Aufgaben abzugeben. Unser Gedankenkarussell können wir nicht von heute auf morgen stoppen, daher trainiere Dein Gehirn. Atme mehrfach bewusst ein und aus, schule Deine Konzentration mithilfe von Achtsamkeitsübungen, Yoga, autogenes Training oder Musik. Einfach entspannt auf der Couch, am Rhein oder auf dem Balkon zu sitzen, die Aufmerksamkeit auf die Atmung zu legen oder dabei schönen Musikklängen zu lauschen, kann die schönste Form des Daseins bieten. Ein Spaziergang im Wald, am Fluss, einfach in der Natur unterwegs zu sein, ist eine reine Wohltat! Also nimmt Dir mal vor, nichts zu tun und gönne Deinem Geist eine Pause.

 

 

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