Der Hype um die Faszien – Eine neue Heilkunst?

Seit einigen Jahren erhalten Faszien immer mehr Aufmerksamkeit. Doch warum erst jetzt? Blieben sie vorher unentdeckt? Was ist dran an dem Trend? Der Markt an Faszien-Training, Faszien-Rolle, Faszien-Massage oder Faszien-Yoga scheint zu boomen. „Faszinierend“, das Ganze! Doch vielleicht fangen wir von vorne an.

Was sind Faszien?

Die Rede ist von nichts anderem als vom weichen Bindegewebe, das sich durch unseren gesamten Körper zieht und Organe, Muskeln, Nerven, Knochen und Gelenke umschließt. Zum Verständnis, beim Zubereiten eines Schnitzels ist das die dünne, fasrige, weiße Haut, die man vor dem Braten entfernt. Lange wurde den Faszien keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Heute wissen Wissenschaftler, dass Faszien mit Rezeptoren und Sensoren ausgestattet sind. Sie können also Schmerzen auslösen sowie die Bewegung bei Verklebungen einschränken. Manche Wissenschaftler reden sogar von einem „Sinnesorgan“. Seit dieser Erkenntnis gehen Ärzte bei einer Operation wohl umsichtiger vor, wo Faszien medizinisch lange vernachlässigt wurden und früher weggeschnitten, um an dahinterliegende Stellen zu kommen. Spezielle Trainings oder Massagen sollen übrigens diese Verklebungen lösen und die Muskeln leistungsfähiger machen.

Studien über Faszien

Seit 2003 untersucht der Humanbiologe Dr. Robert Schleiß an der Universität Ulm, wie die Faszien beschaffen sind und wie sie wirken. Er gilt als deutscher Pionier in seinem Fachgebiet. Die Wissenschaftler konnten zum Beispiel in der Bindegewebshülle, wie oben bereits erwähnt, viele Sinnesrezeptoren nachweisen. „Faszien wirken als zusätzliches Sinnesorgan im Körperinneren“, sagt Schleipp und fügt weiter hinzu: „Mit ihnen könne jeder Mensch seinen Körper in Ruhe und Bewegung wahrnehmen und steuern.“

Die Zeitschrift für Komplementärmedizin gibt anhand von einzelnen Studien Aufschluss über die Faszienstruktur anhand der Wirkung von Rolfing. Die Analyse und das Fazit über die nachhaltige Wirkung von Rolfing zeigen, dass diese Methode nicht primär an der Behebung von Krankheit und deren Symptomen arbeitet, sondern an der Förderung von Gesundheit im Sinne ausgeglichener Spannungsverhältnisse im Körper und ökonomischer Bewegung. Diese Arbeitsweise kann überraschende Zusammenhänge aufdecken und die Körperhaltung effizient und nachhaltig verändern. Sehr oft verringern sich in der Folge Schmerzen und Beschwerden oder lösen sich auf.

Alternative Körpertherapien

Eine weitere Therapie, die sich schon lange vor dem Faszien-Training intensiv mit dem Bindegewebe beschäftigt hat, ist die oben genannte Rolfing-Methode. Diese Methode ist eine manuelle Körperarbeit, die auf das Fasziennetz ausgelegt ist. Laut Rolfing sollen die Faszien das Organ der Körperhaltung sein.

Ebenso sind Massageformen, die Druck und Streichbewegungen vereinen, hilfreich bei der Dehnung des weichen Gewebes und regen die Durchblutung an. Darüber hinaus ist Bewegung das A und O. Einseitige Belastung und mangelnde Bewegung führen zu Verklebungen. Eine Kombi aus Ausdauertraining und Yoga oder Pilates sind perfekt. Darüber hinaus wirkt es sich positiv auf das Gemüt und die Gesundheit aus.

Fazit

Beim Thema Faszien wurde das Rad nicht neu erfunden, denn es hat sie schon immer gegeben, jedoch gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Zusammenhängen in dem Gewebe. Wir wissen, dass das Bindegewebe unsere körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinflusst und bei chronischen Schmerzen eine relevante Rolle spielen kann. Physiotherapeuten und Masseure wissen schon lange um die Wirkung, wenn man das Bindegewebe gezielt massiert.

Meine persönliche Ansicht dazu: Faszien-Trainings oder –Massagen sind weitere Behandlungswerkzuge, die eingesetzt werden, um dem Thema auf Augenhöhe zu begegnen. Doch der Kommerzialisierung stehe ich etwas kritisch gegenüber. Beispielsweise meinte mein Physiotherapeut, dass es nicht die teure Faszien-Rolle sein muss und hierfür ebenso die Styroporrolle aus dem Baumarkt reiche. Selbst bei Massagen massieren, streichen oder kneten Massagetherapeuten das Gewebe und die Muskulatur, die wiederum Verklebungen lösen und die Durchblutung fördern. Ich finde es gut, dass dem Thema heute mehr Bedeutung zugewiesen wird, jedoch sehe ich es viel mehr als Ergänzung zu einem ganzheitlichen Training. Faszien-Trainings ersetzen zum Beispiel kein Ausdauer- oder Ganzkörpertraining zur Kräftigung der Muskulatur.

 

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2 thoughts on “Der Hype um die Faszien – Eine neue Heilkunst?

  1. Ein wirklich interessanter Artikel über Faszien. Ich beschäftige mich schon seit ca. einem halben Jahr mit dieser Thematik und habe auch selbst schon spezielle Faszien Massagen bei einem Chiropraktiker ausprobiert. Das Ergebnis ist verblüffend, denn es ist tatsächlich ein enorm grosser Unterschied zu anderen Massagen, wie Medizinischen Massagen zu bemerken. Ich bin gespannt wie sich dieser Trend weiter verbreitet! LG

    1. Danke Bernd! Das ist sehr interessant zu hören. Wie genau unterscheidet sich die Massagetechnik von der Klassischen?

      Viele Grüße in die Schweiz,
      Janine von MYSSAGE

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