Erfahrungsbericht: Ayurveda in Indien – meine persönliche Detox-Kur

Ayurveda in Indien…“Hach“, denkt sich vielleicht der eine oder andere „das würde ich auch gerne mal machen.“ Lange habe ich in Kurkliniken gearbeitet und Panchakarma- oder Detox-Kuren begleitet. Am eigenen Leib habe ich jedoch bis dahin keine Kur erfahren. Wir Massagetherapeuten sind zwar wahre Spezies, wenn es um Tipps und Ratschläge für unsere Kunden geht. Doch wenn wir mal ehrlich sind, müssen wir uns manchmal selbst an die eigene Nase packen. Bei mir war letztes Jahr ein Punkt erreicht, an dem ich mich aus gesundheitlichen Gründen für eine Ayurvedakur in Indien entschied. Es ging für mich in das knapp 10.000 Kilometer entfernte Somatheeram Ayurvedic Health Resort in Kerala, Südindien. Das Resort ist als Ayurveda Hospital klassifiziert und führt die 3.000 Jahre alte Medizin authentisch und traditionell durch. Hier kümmern sich mehr als 12 Ärzte und 70 ausgebildete Therapeuten um Dein Wohl.


Die nächsten zehn Tage waren geprägt von ayurvedischer Kräutermedizin, mehrstündigen therapeutischen Behandlungen, Yoga und einer schmackhaften, abwechslungsreichen Ernährung. Zigaretten, Alkohol, Zucker und Fleisch waren tabu. WLAN gab es lediglich in der Lobby und das mehr schlecht als Recht. Der Fokus lag hier ganz klar auf der Kur. Kein Spa, kein Wellness-Chichi, kein Fernseher oder eine Hotelbar, an der man bei einem Cocktail den Abend ausklingen ließ. Nein, der Körper wurde gereinigt und entgiftet. Eine brennende Kokosnuss an meinem Ohr oder das Reinigen sämtlicher Körperöffnungen sind nur kleine Auszüge dieser einzigartigen Erfahrung.

Angekommen in Pandora…

Ich befand mich wahrlich in einem tropischen Dschungel-Paradies, umgeben von einer üppigen Flora und dem wunderschönen Meer. Unzählige Kräutergärten und Kokospalmen bekleideten die Anlage. Ich befand mich in einer anderen Welt…

Noch am ersten Tag traf ich auf meine zuständige Ärztin Dr. Sreelatha. Neben dem Ausfüllen des ausführlichen Anamnesebogens, wurde auch die sogenannte Puls- und Zungendiagnose durchgeführt. Ohne einen Blick in den Bogen zu werfen, diagnostizierte sie meine Beschwerden. Verblüffend! Hexe? Hellseherin? Nichts von alldem. Für sie ist Ayurveda eine Wissenschaft und hat nichts mit Hokuspokus zu tun. Sie fügte nur die einzelnen Puzzleteile zusammen. Nicht mehr. Sie schlug eine Mischung aus Stress Management Kur und Body Purification vor. Neben Ölmassagen, -bädern und -güssen, trank ich Ghee (Igitt!) und Kräuterextrakte (Pfui Teufel!), erhielt Schlammpackungen, Darmeinläufe (Oh Gott!) und Abführmittel (nicht auch noch!) für die Entgiftung und Reinigung meines Körpers. Zusätzlich wurde ein auf mich abgestimmter Ernährungsplan erstellt. Mehrmals täglich fanden Yoga- und Meditationskurse statt. Aufgrund der gleich erwähnten Umstände während meiner Kur, musste ich leider auf die Kurse verzichten. Meine tägliche Medizin stammte aus der hauseigenen Manufaktur. Die Mahlzeiten im Restaurant wurden ausschließlich aus frischen und natürlichen Zutaten zubereitet. Hierfür verwendete der Ayurvedakoch Produkte aus dem resorteigenen Kräuter- und Gemüsegarten. Hier merkst Du Qualität! Liebe geht tatsächlich durch den Magen. Ein bisschen habe ich mich in die schmackhafte, ayurvedische Küche verliebt.

Das überlebe ich nicht…

Jetzt aber zu der eigentlichen Kur! Die erste Woche war kurzgefasst: heftig, anstrengend, schlauchend und mit Gedanken verbunden doch abzubrechen. Ich reagierte extrem auf die Anwendungen und bei mir trat die sogenannte Erstverschlimmerung ein. In der zweiten Woche ging es dann aber bergauf. Bindu, meine zuständige Hauptherapeutin, sprach vor jeder Behandlung immer ein Mantra (Gebet), das den Gesundheitsprozess fördern sollte. Die Anwendungen wurden immer von zwei bis drei Therapeuten gleichzeitig durchgeführt. Ritsch, ratsch…nichts mit Wohlfühlmassage. Nach einer 4-Hand-Synchronmassage, rieb mich Bindu von Kopf bis Fuß mit einer braunen Kräuterpaste ein. Ich sah aus als ob ich im Schlamm gebadet hätte. Nach einer kurzen Einwirkzeit wurde die Paste mit Kräuterwasser wieder abgespült. Ab dem zweiten Tag musste ich morgens und abends meine Kräutermedizin und Ghee trinken. Ghee ist geklärte Butter, die in dem Fall medizinisch angereichert war. Gewöhnungsbedürftig, doch was man nicht alles für seine Gesundheit tut, nicht wahr? Jeden Tag erhielt ich abwechselnde Massagen, die das therapeutische Öl oder die Paste in das Gewebe einmassieren sollten. Die Haut diente hier als hauptsächliches Medium für die Medizin. Besondern liebte ich den warmen Ganzkörper- und Stirnölguss. Doch vom ersten Tag an machten sich starke Migräne, Schmerzen und Neurodermitis breit. Ich fühlte mich richtig krank und war bettlägerig. Das Abendessen ließ ich ausfallen. Das will bei mir schon etwas heißen. Denn wenn ich hungrig bin, werde ich schnell knatschig. Am nächsten Morgen bekam ich einen Schreck. Ich sah aus wie ein Streuselkuchen! Nach vielen Jahren war meine Neurodermitis im Gesicht, am Hals und den Armen komplett ausgebrochen. Einfach nur furchtbar! Meine Haut brannte, juckte und tat weh. Meine Ärztin stellte die Behandlungen und Öle noch einmal um. Einige Tage vergingen bis ich die nötige Energie hatte, das erste Mal ans Meer zu gehen. Endlich konnte ich die ganzen Eindrücke aufsaugen und genießen. Mir zeigte sich eine unglaubliche Fauna in dem tropischen Garten.

Wenn man sich ganz still verhielt, zeigten sich auch seltene Tiere. Eine etwa zwei Meter lange Schlange schlich direkt neben mir vorbei, bevor sie meinen Weg kreuzte. Starr vor Schreck, voller Ehrfurcht, aber auch wahnsinnig beeindruckt musste ich als Bloggerin doch die Kamera zücken. Solch ein wunderschönes Geschöpf in freier Wildbahn erleben zu dürfen, empfand ich als Geschenk. Später zeigte ich das Foto dem indischen Personal und sie sahen es als „göttliche“ Fügung. Na dann! Grundsätzlich sind Schlangen scheu und zeigen sich eher selten. Du magst jetzt denken „Glück im Unglück“ *Augenzinker.

In der zweiten Woche ging es endlich bergauf mit mir. Doch ein Tag hinterließ eine besonders prägende Erinnerung. Nicht nur, dass ich einen Einlauf erhielt, plötzlich kam noch eine Therapeutin mit einer brennenden Kokosnuss herein. In ihr waren verschiedene Kräuter enthalten. Der Rauch sollte meine Ohren reinigen. Ohren? Ja, das brennende Ding, das mich ein wenig an einen Kerzenlöscher erinnerte. Nach dem ersten Adrenalinschub reinigte die Ayurvedatherapeutin noch meine Augen mit einer Flüssigkeit. Da war ich bedient. Für den Tag wollte ich keine weitere Behandlung mehr.

Fazit meiner Detox-Kur 

Jederzeit wieder!!! Die Kur hat einiges in Gang gebracht und ich spürte eine deutliche Verbesserung. Obwohl ich am Ende noch nicht komplett regeneriert war, kam der eigentliche Effekt zu Hause. Die Ärztin sagte mir, dass die Kur noch nachwirkt und weiterarbeitet. Sie sollte Recht behalten. Für die nächsten drei Monate nahm ich vorsichtshalber noch ayurvedische Medizin mit.

Übrigens, so viel kann ich zu meinem „Krankheitsbild“ verraten: Ich litt viele Jahre an starker Migräne und die Schulmedizin wusste mir nicht zu helfen. MRT und Co. hatten nichts ergeben. Seit dieser Kur vor einem Jahr bin ich nach wie vor beschwerdefrei…toi, toi, toi. Anmerkung: Die Behandlungen und Wirkung dieser Kuren sind immer individuell. Jeder erlebt die Anwendungen anders.

Würdest Du eine Ayurvedakur machen oder hast es bereits? Verrate es mir!

 

 

Jetzt teilen.....Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone

One thought on “Erfahrungsbericht: Ayurveda in Indien – meine persönliche Detox-Kur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.